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Wenn es dir gut gehen soll, ehre deine Eltern



Wahrscheinlich denken Sie jetzt: "Die hat doch einen Knall!"


Ich kann Sie förmlich vor mir sehen – fassungslos, wütend, erregt - und Ihre empörten Worte hören:


  • „Was? Ich soll meine Eltern ehren? Wofür denn? Wenn die mich mal mehr unterstützt hätten, hätte ich heute nicht so viele Probleme!“

  • „Ich soll meinen Vater ehren? Etwa dafür, dass er mich geschlagen hat und nie für mich da war?“

  • „Ich soll meine Mutter ehren? Die mich permanent runter gemacht hat und sich in alles einmischt bis heute?“


Und ja, auf den ersten Blick ist Ihre Reaktion vollkommen verständlich. Die meisten von uns hatten keine rundum glückliche Kindheit, in der wir uns immer geliebt, geborgen und angenommen gefühlt haben – einfach so wie wir waren. Stattdessen haben wir erlebt, dass wir Erwartungen nicht erfüllten, obwohl wir uns richtig angestrengt haben, dass unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht wirklich jemanden interessiert haben. Wir haben Unberechenbarkeit und Beschämung erlebt und oft waren unsere Tage mehr von Angst und Unsicherheit geprägt als von Selbstvertrauen und Hoffnung. Die Älteren von uns haben noch erlebt, dass Kinder den Mund zu halten hatten, wenn Erwachsene sprachen, und dass wir gefälligst lieb und artig und still zu sein hatten.


Und dennoch heißt es in der Bibel:


„Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie der Herr, dein Gott, es dir geboten hat, damit deine Tage lange währen und damit es dir gut geht in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!“ (5. Mose 5, 16)



Spannenderweise ist dies das einzige der zehn Gebote, das einen Zusatz enthält: „damit deine Tage lange währen und damit es dir gut geht“. Wenn wir als Christen glauben, dass Gott gut ist und keine Fehler macht, sollte uns das zum Nachdenken bringen. Denn ein glückliches, erfülltes Leben, in dem es uns gut geht – davon träumen wir wohl alle.


Wenn dieses Gebot für unser persönliches Wohlbefinden also so wichtig ist, macht es Sinn zu verstehen, was hier eigentlich gemeint ist. Was bedeutet es, meine Eltern zu ehren?



Zunächst einmal die Frage: Was bedeutet es NICHT?


Meine Eltern zu ehren bedeutet NICHT,


  • alles gut zu finden, was sie tun oder früher getan haben,

  • falsches Verhalten zu ignorieren oder sich ihm weiterhin auszusetzen,

  • Verletzungen zu verschweigen und Schmerz herunterzuschlucken,

  • sich alles gefallen zu lassen und den Kopf einzuziehen,

  • sich demütig in allem dem Willen der Eltern zu beugen, insbesondere bis ins Erwachsenenleben und da, wo mir dieser Wille eindeutig schadet,

  • niemals aufzustehen und sich gegen unberechtigte Einmischung abzugrenzen.


Wenn dies alles nicht gemeint ist, was bedeutet die Aussage „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ dann?


  • Die eigenen Eltern zu ehren bedeutet, sie so zu behandeln wie wir selbst behandelt werden wollen: mit Respekt, wie jede andere Person auch.

  • Es bedeutet, sie für die Position zu ehren, die Gott ihnen gegeben hat – und zwar egal, wie gut sie diese Position ausgefüllt haben. Denn: Für die Fehler, die sie gemacht haben, sind sie Gott Rechenschaft schuldig – zu Seiner Zeit und auf Seine Weise.

  • Es bedeutet, sich ruhig, klar und bestimmt abzugrenzen und den eigenen Weg zu gehen, statt zu verurteilen, zu beschimpfen oder – besonders wenn die Eltern alt werden – den Spieß herumzudrehen und „Rache“ zu nehmen.



Und auf jeden Fall macht es für das eigene Wohlergehen zusätzlich Sinn, hinzuschauen und alte Prägungen zu hinterfragen und aufzuarbeiten. Als Erwachsene versuchen wir oft, das falsche Verhalten unserer Eltern zu entschuldigen („Das war halt damals so.“ „Sie wussten es nicht besser.“) Dennoch hat ihr falsches Verhalten uns als Kinder verletzt und solange diese Verletzungen nicht angesehen, benannt und vergeben sind, ernten wir die schlechten Früchte in unserem Erwachsenenleben. Mehr dazu finden Sie bei Interesse in den Blogartikeln „Achte auf das, was du säst, denn daraus wirst du ernten“ und „Verurteile andere nicht, denn du schadest dir selbst“.


Ebenso wichtig ist es, sich im Erwachsenenalter aus den kindlichen Bindungen herauszulösen. In 1. Mose 2, 24 heißt es „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen…“ Verlassen heißt nicht nur, zu Hause auszuziehen, sondern ein eigenständiges Erwachsenenleben führen. Aus der kindlichen Abhängigkeit und der elterlichen Überlegenheit soll ein Miteinander auf Augenhöhe werden, in dem man sich gegenseitig respektiert.


Meine eigene Erfahrung an dieser Stelle ist, dass auch die Beziehung zu den eigenen Eltern – sofern diese dafür ebenfalls offen sind - wiederhergestellt und ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe von beiden Seiten möglich werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings die Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Verletzungen und Entscheidungen sowie Schritte des Verschmerzens, des Loslassens und der Vergebung.


Vielleicht lädt diese Sichtweise Sie ein, über Ihre Beziehung zu Ihren Eltern und Ihre Haltung ihnen gegenüber noch einmal nachzudenken? In Ihrem eigenen Interesse würde ich mich freuen 😊.

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